Hoch hinaus - dritter Prüfungsdurchlauf „Fachagrarwirt/in Baumpflege und Baumsanierung“ in NRW

Fachagrarwirt Baumpflege und BaumsanierungBild vergrößern

Hoch hinaus ging es in diesem Jahr wieder für die Anwärter der Fortbildungsprüfung zum „Fachagrarwirt/in Baumpflege und Baumsanierung“, bei erfolgreichem Verlauf nun sicherlich auch im übertragenen Sinne in der beruflichen Karriere. Die Aussichten dafür sind bestens: Sowohl bei Kommunen und Kreisen, der Straßenbauverwaltung als auch bei privatwirtschaftlichen Fachbetrieben sind die Baumpflegeexperten sehr gefragt.

Nachdem im vergangenen Jahr 21 KandidatInnen zur Prüfung angetreten waren, konnte 2018 in 19 Fällen die Zulassung zur Prüfung ausgesprochen werden. Abzüglich einzelner krankheitsbedingter Rücktritte und dreier nicht erfolgreicher Prüfungen erhielten am Ende 11 erfolgreiche Kandidaten die begehrten Urkunden. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben in der Regel zunächst den Beruf Gärtner/Gärtnerin, Forstwirt/Forstwirtin oder Landwirt/Landwirtin gelernt und danach eine mindestens dreijährige Berufspraxis in entsprechenden Betrieben absolviert. Alternativ liegt eine mindestens fünfjährige Tätigkeit in Betrieben „der grünen Branche“ und zusätzlich eine mindestens dreijährige Berufspraxis in Baumschulen, in Betrieben des Garten- und Landschaftsbaus, des Obstbaus, der Forstwirtschaft oder der Landwirtschaft mit wesentlichem Waldbauanteil hinter Ihnen. Sonderzulassungen mit etwas weniger Praxiszeit sind überdies möglich, wenn der Bewerber z.B. besondere Qualifikationen vorweisen kann. Die entsprechende Bundesverordnung wollte also Fortbildungswege nach klassischer Ausbildung wie auch nach Quereinstieg und mehrjähriger spezialisierter Berufspraxis eröffnen.

Für die Zulassung zur Prüfung ist die Teilnahme an einem Lehrgang nicht verpflichtend, entsprechend erfolgte die Vorbereitung auf unterschiedlichen Wegen: Einige nutzten ein kompaktes Angebot der „Baumgenossen“ in Köln, andere gezielt ausgesuchte Seminarmodule aus den Weiterbildungsangeboten der Landwirtschaftskammer NRW rund um das Thema Baum. Erstmalig angeboten und mit sehr guter Resonanz besucht wurde im Februar 2018 die zweitägige Veranstaltung „Bin ich fit für die Prüfung?“. An der Prüfung Interessierte kamen im Bildungszentrum Münster-Wolbeck zusammen, um Näheres zur Prüfung zu erfahren und um anhand von Lernsituationen und beispielhaften Prüfungsfragen der Vorjahre im Austausch mit BranchenkollegInnen herauszufinden, ob sie sich bereits gut vorbereitet fühlen oder ob in einzelnen Bereichen ggf. noch Nachholbedarf besteht.

Die Prüfung gliedert sich in drei Bereiche:

  1. Grundlagen der Baumpflege und -sanierung
  2. Maßnahmen der Baumpflege und -sanierung
  3. Wirtschaft, Recht und Soziales

Während der zweite Teil mit zwei Arbeitseinsätzen von jeweils 1,5 Stunden rein praktisch ausgelegt ist und am gleichen Tag unmittelbar durch ein Prüfungsgespräch ergänzt wird, sind in den beiden anderen Teilen zunächst vorgeschaltete Klausuren bzw. eine sog. Praxisbezogene Aufgabe zu bewältigen. Diese wurden in diesem Jahr vom 25.-27. September im Bildungszentrum Münster-Wolbeck geschrieben und anschließend den PrüferInnen zur Bewertung zugeleitet. Die praktischen und mündlichen Prüfungen fanden am 10. und 11. Oktober auf Haus Düsse statt. Das weitläufige Areal des Versuchs- und Bildungszentrums in Bad Sassendorf mit vielgestaltigen Baumbeständen verschiedener Altersstufen und die sonstige Infrastruktur boten beste Rahmenbedingungen für die aufwändige Prüfungsabwicklung, bei der an beiden Tagen umfangreiches Spezialequipment sowie zwei Hubarbeitsbühnen mit bis zu 30 m Steighöhe zum Einsatz kamen, wahlweise auch die hohe Kunst der Seilklettertechnik.

Für Teil 1 mussten die Prüflinge an bis zu drei vorgegebenen Bäumen eine Schadensdiagnose vornehmen und anschließend im Prüfungsgespräch erörtern; in Teil 2 waren in diesem Jahr jeweils zwei Arbeitseinsätze aus den Themenbereichen Kronensicherung und Baustelleneinrichtung bzw. -organisation rund um den Auftrag „Ast abseilen“ zu planen, abzuwickeln und zu erläutern, jeweils unter besonderem Augenmerk auf die Arbeitssicherheit. In Teil 3 wurden auf Grundlage der zuvor verfassten schriftlichen Prüfungsleistungen im Gespräch verschiedene Aspekte aus den Bereichen Wirtschaft, Recht und Soziales aufgegriffen, schwerpunktmäßig die Leistungsbeschreibung und Angebotskalkulation für konkrete Baumpflegearbeiten, aber auch arbeits-, ordnungs- und naturschutzrechtliche Themen.

Sowohl für die schriftlichen als auch die praktischen/mündlichen Prüfungen war die Prüfungskommission bereits im Frühjahr zusammen gekommen, um die Aufgabenstellungen und Bewertungskriterien zu formulieren bzw. die Bäume/Arbeitsbereiche auszusuchen und eine Vorsondierung vorzunehmen. Viele Prüfer standen bei der Prüfung im Herbst dann sogar an beiden Praxistagen zur Verfügung. Wer im Vorfeld zusätzlich noch schriftliche Ausarbeitungen zu seinen Prüfungsteilen zu lesen und zu bewerten hatte, blickte schließlich auf ein anspruchsvolles Pensum zurück. Der Lohn dafür liegt weniger in den Aufwandsentschädigungen als im kollegialen Austausch und der Qualitätssicherung begründet. Herzlichen Dank für das ehrenamtliche Engagement!

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Autor: Markus Reher